Ameisennester, Form und Größe in der Natur

Ich schreibe diesen Beitrag hier, weil es mir weniger um die Biologie als um grundsätzliche Gestaltungsregeln in Sachen Nestbau geht. Es ist hier auch nicht die Frage nach dem passenden Material, das kann durchaus auch nach eigenen Vorlieben oder derer der Ameisen variieren.

Man sieht immer wieder Nester, die Kammergrößen aufweisen, in denen man Hamster halten könnte, die sind aber für Ameisen wie Lasius niger. Ein kurzer Blick unter einen Stein oder besser eine Steinplatte im Garten würde hier schon das meiste erklären.
Nebenbei sieht man auch immer wieder Nester, die man gut liegend verwenden könnte, die niedrige Kammern (oder ausreichend hohe) haben und eine gute Grundfläche. Die werden aber eigenartigerweise stehend verwendet, so dass nur die schmale "Seitenwand" als Ablagefläche für Brut in Frage kommt.

Ameisen selbst kommen zwar gut damit zurecht, auch mal an den Wänden oder gar Decken der Kammern rumzuhängen, aber Brut liegt normalerweise der Schwerkraft folgend am Boden der Kammer.
Hier muss man schon berücksichtigen, welche Art man hat und ob diese gern an der Decke hängen, wie es meine Messor gern beim Kauen oder der Brutpflege tun oder ob es vielleicht sogar eine Art mit Speichertieren, wie Myrmecocystus ist, die nur an der Decke hängen. Messor, die nebenbei auch noch Körner einlagern, können auch gut höhere Kammern brauchen, da sie diese ohnehin anfüllen.

BILD (Messornest)

Wie man hier sieht, haben die Kammern eine recht flache Form und die Gänge laufen kaum senkrecht, sondern eher immer schräg nach unten. Dieses ist übrigens der Abguss eines Nestes von Solenopsis invicta, einer Ameise, die in der Größe etwa unseren Myrmica entspricht. Die kleineren Arbeiter sind aber nicht viel größer als eine Leptothorax (~3mm).
So gesehen ein gängige Größe, wenn auch diese Nester aufgrund der Volksstärke insgesamt etwas andere Ausmaße annehmen können.

Abguss eines Nestes von Solenopsis invicta
Walter R. Tschinkel

Prinzipiell würde es sich also anbieten, dass man liegende Nester, mit flachen Kammern baut, damit man zum einen flache Kammern mit viel Ablagefläche hat und und nebenbei gute Nesteinsicht.
Bei stehenden Nestern ist man etwas in der Zwickmühle. Arbeitet man diese Kammern nun flach in das Nest ein, so hat man zwar auch eine gute Nestform, aber die Sicht reicht wohl nicht so tief in die Kammern, dass man jeden Winkel überblicken kann. Hier kann etwas mehr Höhe Vorteile bringen.

Hält man seine Ameisen in einem Substrat, in dem sie selbst ihre Kammern anlegen können, so erübrigt sich das. Sie graben die Kammern so und an den Stellen, an denen sie diese benötigen.
Der Nachteil dabei ist nur, dass man nur noch die furagierenden Arbeiterinnen zu Gesicht bekommt.
Eine Kompromiss hierfür wären eigentlich die ursprünglich verwendeten Farmen mit einem Substrat zwischen zwei Glasscheiben.
Man kann sie noch beim graben und der Brutpflege beobachten, sofern die Scheiben nicht zu verdreckt sind. Ganz so optimal sind diese Farmen allerdings auch nicht. Sie können einstürzen, bei Erschütterung, müssen immer etwas feucht gehalten werden (andere Nester je nacht aber auch), nur wenn sie zu trocken werden, stürzen sie leichter ein.

Heutzutage nimmt man für Beobachtungsnester lieber feste Matereialien wie Gips oder Gasbeton, da diese auch gut feuchtgehalten werden können.

Wenn Sie einmal ein eigenes nest basteln, denken Sie daran.

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